Geschlechtsspezifische Gewalt ist Gewalt, die sich gegen eine Person aufgrund ihres Geschlechts richtet. Sie kann sich als körperliche, sexualisierte, psychische oder ökonomische Gewalt äußern. Das am 21. November vom BKA veröffentlichte Bundeslagebild "Geschlechtsspezifisch gegen Frauen gerichtete Straftaten 2024" zeigt, dass die polizeilich erfassten Zahlen zu Frauen und Mädchen, die von Gewalt betroffen sind, in fast allen betrachteten Deliktsgruppen weiter angestiegen sind. Insbesondere nahmen frauenfeindliche Straftaten rasant zu, aber auch digitale Gewalt, Sexualstraftaten und häusliche Gewalt.
Die Täter sind fast immer Männer und stammen hauptsächlich aus dem sozialen Nahfeld der von Gewalt Betroffenen. Entgegen rechten Narrativen ist es gerade nicht der „Fremde“, der Gewalt gegen Frauen+ und Mädchen+ ausübt und daher eine Gefahr darstelle, sondern es ist der (Ex-)Partner, Ehemann, Vater oder ein anderer männlicher Verwandter. Rechte Darstellungen vertuschen durch die häufig rassistisch motivierte Zuschreibung die tatsächlichen Ursachen und Hintergründe von geschlechtsspezifischer Gewalt.
Der Stadtteil Buch verzeichnet weiterhin hohe Zahlen im Bereich innerfamiliärer und partnerschaftlicher Gewalt sowie im Bereich Sexualdelikte (siehe Übersicht im Berliner Monitoring Gewaltdeliquenz 2023, S. 288: https://camino-werkstatt.de/downloads/Berliner-Monitoring-Gewaltdelinquenz-2023-Teil-2.pdf).

Am 26.11.2025 hatten zahlreiche Akteur:innen, Initiativen, Vereine und Einrichtungen in Buch verschiedene Aktionen gegen geschlechtsspezifische Gewalt organisiert. Beteiligt waren die Frauenberatung BerTa, das BENN-Team Buch (Berlin Entwickelt Neue Nachbarschaften), die Stadtteilgruppe Pankow der „Omas gegen Rechts“, die Stadtteilbibliothek Buch, das Stadtteilzentrum, Sehstern mit dem Familienzentrum und der Mädchengruppe Buch, die Selbsthilfe Buch, MaMis en Movimiento e.V., die Ehrenamtskoordinationen der Gemeinschaftsunterkünfte, Willkommen in Buch und Karow, das Bezirksamt Pankow sowie weitere lokale Akteur:iinnen. Die Aktionen reichten von Infoständen, mobilen Mitmach-Stationen und ein Vor-Ort-Café mit Beratungsangeboten bis hin zu Workshops und kreative Aktionen wie Banner- und Plakatgestaltung sowie stillen Mahnritualen für die von geschlechtsspezifischer Gewalt Betroffenen. Mit den Aktionen wollten die Akteur:innen gemeinsam Bewusstsein schaffen und Solidarität zeigen. Zudem konnten Betroffene mit den Akteur:innen über Unterstützungsmöglichkeiten bei Gewalterfahrungen ins Gespräch kommen. Der Bucher Aktionstag fand im Rahmen der UN-Kampagne „Orange the World“ statt, an dem Frauen+ und Mädchen+ weltweit vom 25. November bis zum 10. Dezember auf gegen sie gerichtete Gewalt aufmerksam machten. „Die Gewalt ist fest in unseren patriarchalen Strukturen verankert und hat tiefgreifende Folgen für das Leben von Frauen und die gesamte Gesellschaft“, schreibt der Verein UN Women Deutschland e.V. auf seiner Website.



Das Team von BENN Buch veranstaltete zusammen mit der Frauenberatung BerTa und Omas gegen Rechts Pankow eine Kundgebung am Bahnhof Buch. Die Künstlerin und Feministin Karina Villavicencio zeigte eine Performance, die verschiedene Aspekte von geschlechtsspezifischer Gewalt aufgriff und mittels des eigenen Körpers und verschiedener Requisiten im öffentlichen Raum darstellte.



Teil dieser Veranstaltung war zudem eine Mitmach-Aktion, bei der die teilnehmenden Menschen ihre Gedanken und Forderungen zur geschlechtsspezifischen Gewalt auf ein Banner schreiben und malen konnten. Das Banner wurde wenige Tage später an der Fassade des Bucher Bürgerhauses aufgehängt und ist seitdem ein sichtbares Zeichen in Buch gegen Gewalt an Mädchen, Frauen und FLINTA+.


Hilfe und Unterstützung erhalten Betroffene rund um die Uhr anonym und kostenlos beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ unter 116 016 oder online unter www.hilfetelefon.de. In Berlin bietet außerdem die BIG-Hotline Beratung und Begleitung unter 030 611 03 00.
